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DIE PFARRKIRCHE MARIÄ HIMMELFAHRT

ZUR KIRCHENGESCHICHTE

Archäologische Ausgrabungen beweisen, dass die Gegend um Essenbach schon keltisches Siedlungsgebiet war. In der Provinz Rätien gelegen, war sie danach Teil des Imperium Romanum; in der geographischen Lage ziemlich genau südlich von Regensburg, des nördlichsten Römerlagers an der Donau, lag es nahe der Römerstraße nach dem Süden - ein Verkehrsweg, an den sich später auch Bischof Wolfgang gehalten hat. Nach der Auflösung des Römerreiches, das zweifellos auch die ersten sporadischen Kontakte mit dem Christentum gebracht hatte, entstand kein Bevölkerungsvakuum, sondern wegen der Bonität des Bodens eine kontinuierliche Weiterbesiedelung. Die christliche Glaubenswelt wurde vertieft und organisiert durch die angelsächsisch-irischen Wandermönche, einen Bonifatius oder Korbinian. In deren Gefolge kommt es auch zu Rodungen, Kultivierungen; den die Landwirtschaft aufbauenden Klöstern fallen Grundstücke und Güter anheim.

In einer Güterübergabe-Urkunde kommt eine erste Nennung von Essenbach vor, als im Jahre 831 der Abt Hitto von Mondsee dem Domkapitel in Regensburg sein Gut zu „Heisenbach" übereignete. Außerdem muss sich eine kleine Herrschaft herausgebildet haben, denn 1263 stifteten die Brüder Konrad und Friedrich von Perge bei ihrer Burg ein Gotteshaus. Dieses dürfte einfache spätromanisch-frühgotische Züge gehabt haben, wohl mit Halbkreisapsis und Langhaus. Damals stand aber schon der wuchtige Turm, freilich nicht als Kirchturm, sondern nach Ausweis seiner unerhört dicken Grundmauern als Bergfried, d. h. als Schutz- und Zufluchtsturm der Burg derer von Perge. In den üblichen romanischen Formen wurde er zum Kirchturm verwandelt durch die Rundbogenfriese über den Glocken-Arkaden, während darüber, also im Übergang zum Achtecks-Querschnitt, andere Ziegelformate auf die nochmalige Aufstockung beim spätgotischen Kirchenbau verweisen.

Im allgemeinen Aufschwung des niederbayerischen Landes unter der förderlichen Regierung der „Reichen Herzöge" von Landshut wurde die romanische durch eine spätgotische Kirche ersetzt. Vor 1470 muss diese schon in der Höhe gewesen sein, weil die Wölbung über dem Altarhaus mit der Jahrzahl 1470 bezeichnet ist.

Wie diese rippengewölbte Kirche den schrecklichen 30jährigen Krieg überdauert hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls wurde aus Gelöbnis-Verpflichtung oder Dank oder wegen wieder zunehmendem Bevölkerungswachstum ein vierjochiges nördliches Seitenschiff angebaut und eine Generation nach dem Frieden von Münster der Muttergottes geweiht. An den Ernst der Zeit erinnert auch das mittelachsiale Kreuzigungsrelief aus Stuck am Gewölbe. Wegen offenbar guter Erfahrung mit dem angebauten nördlichen Seitenschiff hat man 1713 auch ein südliches Seitenschiff hinzugefügt. Im 19. Jahrhundert ist glücklicherweise kaum etwas gestaltveränderndes an der Kirche geschehen, so dass die herrliche Ausstattung des Rokoko noch komplett erhalten ist. Erst ab 1910 gab es Pläne und danach die Ausführung zur Vergrößerung der Sakristei an der Nordostseite und Verlängerung der Kirche nach Westen, weil in dieser wirtschaftlichen Blütezeit auch ein Anwachsen der Bevölkerung zu verzeichnen war. 1922 erfolgte die Erhebung von Essenbach als Pfarrei und damit Ausgliederung aus der Pfarrei Altheim, bei der es bisher als Filiale zugehörig war; der erste sehr verdienstvolle Pfarrer Essenbachs war Dekan Josef Müller.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte mit dem Amtsantritt von Pfarrer Stephan Heindl 1976 ein praktikables neues Konzept ein: Nicht mehr spektakuläre Neu- und Umbauten, sondern kontinuierliche Maßnahmen der Pflege, Ergänzung und Anpassung, Außen- und Inneninstandsetzungen der Kirchen, statische Ertüchtigung von Dachwerken und Türmen, technische Erneuerungen, 1982 ein neues Kirchengestühl für die Pfarrkirche unter Verwendung der barocken Wangen, 1989 der Sakristeianbau, 1994 eine barock disponierte Orgel und als Folge des II. Vatikanischen Konzils eine liturgiegerechte Volksaltar- und Ambo-Aufstellung, aber jeweils so, dass nicht wertvolles Altes beseitigt wurde (z. B. Altäre und Kanzel), sondern im Sinne des Konzils „Nova et vetera" - „Alt und Neu" verwirklicht wurde.



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DIE BAUGESTALT DER PFARRKIRCHE MARIÄ HIMMELFAHRT

Der Kernbau der Pfarrkirche ist spätgotisch, wenn auch nicht unverändert: Das Altarhaus, auch Presbyterium oder Ostchor genannt, zeigt sich im Grundriss und Aufriss noch in der originalen Form: ein dreiseitig im 45°-Achteckswinkel gestalteter Raumschluss, dann durch Wandvorlagen und halbrunde Dienste abgesetzte drei Joche, darüber jeweils das mittelachsiale, ursprünglich spitzbogige Fenster mit gleichbemaßten Stichkappen und Gewölberippen, das bedeutet eine architektonische Erinnerung an das Wesen des dreifaltigen Gottes, dem das „Gottes-Haus" gewidmet ist: Architektonisch völlig gleiche Einzelteile, die zusammen den Raumabschluss des Presbyteriums ergeben (das Mittelfenster hinter dem Hochaltar wurde natürlich erst in der Barockzeit zugemauert).

Der Chorbogen ist leicht eingezogen und lässt ungewöhnlicherweise seinen halbrunden Dienst bis zur Spitze weiterlaufen. Das westlich anschließende Langhaus hatte ursprünglich vier Joche, unterteilt durch gleiche Wandvorlagen wie im Altarhaus. Alles deutet darauf hin, dass das Langhaus ursprünglich einschiffig war. Bei der erwünschten Erweiterung hat man mutig vier Arkaden aus der Nordwand ausgebrochen und ein Seitenschiff angefügt, dessen östliche Abschlusswand die vorspringende Sakristeiwand mit einband. Weil dies offenbar ohne Unfall und nachhaltige Bauschäden vonstatten gegangen war, wählte man 1713 bei der Südwand das gleiche Verfahren. Damit konnte man auch den bis dato frei und schräg zur Kirchenwand stehenden Bergfried mit einbeziehen. Die Westwand der Kirche und die Südwand des rechten Seitenschiffs stießen dabei an die Nordseite des Turmes, bis auch diese ganze Wand wieder abgebrochen wurde, um 1911 eine Verlängerung der Kirche um zwei Joche nach Westen zu ermöglichen. Der neue und bis jetzt verbliebene Westabschluss der Kirche erfolgte in einer schlichten Mischung von Neobarock und Jugendstil in der Art Heinrich Hauberrissers (etwa Kumhausen oder Hausham). Die Erweiterung der Seitenschiffe und damit ihrer Bedachungen ist nicht nach stilüblicher Proportion erfolgt, also auch von daher ein Indiz, dass die Seitenschiffe nicht aus der Gotik stammen können.

Der Turm weist in seinem Unterbau mit den ca. zwei Meter dicken Mauern und dem ungegliederten Äußeren noch den Bergfried aus; unter Blendbogenornamentik erhielt er die romanischen Schallarkaden, mit dem Kirchenbau der Spätgotik die Achteckserhöhung für den neuen Glockenstuhl; die singuläre Tuffsteingalerie unter dem gemauerten Turm-Spitzhelm, die wie eine Krone wirkt, wurde bei der letzten Instandsetzung in Beton nachgeformt.

Im Inneren tragen die Seitenschiffe barocke Tonnenwölbungen mit Stichkappen, im Norden mit figuralem Stuck, während Chor und Langhaus noch Netzrippengewölbe in Dreiecks-, Quadrat- und Rautenfiguration aufweisen.



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DIE AUSSTATTUNG

Die Ausstattung der Kirche ist sehr viel reichhaltiger, als man auf den ersten Blick annehmen möchte, da das Mittelschiff mangels Hochgadenbelichtung sehr dunkel wirkt. Von rückwärts zieht aber eine bühnenhafte Helligkeit zum Altarraum nach vorne. Steht man in Nähe der Kanzel, wirken die beiden Chorbogenaltäre wie die Proszenien eines reich ausgestatteten Theatrum Sacrum. Oder anders gesagt: Die von Christian Jorhan d. Ä. entworfenen Altäre bewirken Zentralraumempfindung.

Der Hochaltar ist als ein Vier-Säulen-Aufbau über gekurvt-ausgreifendem Grundriss und gekurvter Gesimslinie in den Raumschluss gestellt. Anstelle des einst gotischen Mittelfensters ist hier das Altarblatt mit der Himmelaufnahme Mariens gegeben; das einstige echte Fensterlicht wird hier durch gemaltes Himmelslicht im Bereich über Maria angedeutet; diese gelbe Himmelsglorie setzt sich farblich fort in dem ovalen Oberbild des Auszugs mit dem Dreifaltigen Gott. Während unten die Apostel noch staunen und rätseln, streckt Christus seine rechte Hand mit Empfangsgestus zu Maria nach unten und empfängt mit seiner linken Hand von Gottvater die Krone, welche er Maria dann überreichen und aufsetzen wird.

Zuoberst erscheint die Heiliggeisttaube mit Goldstrahlenentsendung. Die Verbindung des Holzaufbaues (mit seiner zartfarbigen Marmorierung nach Art der Familienwerkstätte Zellner aus Dorfen) zum gotischen Raum nimmt ein beidseitiges Baldachingehänge auf, welches vor die Fensterdiagonalen gesetzt ist und die beiden äußeren Figuren überspannt. Der Altar erhebt sich über einer doppelten Sockelzone; auf der Mensa steht der Tabernakel mit einer Drehnische in der Mitte, in welcher das Kreuz Christi als „Crux Gemmata", also vergoldetes und versilbertes Siegeskreuz erscheint; in den Tabernakelflanken links und rechts sind zwei Reliquiartafeln eingebettet. Oberhalb des Tabernakels thront als Bekrönung das Lamm Gottes auf dem Buch des Lebens mit den sieben Siegeln, das ebenfalls Strahlen in die Welt entsendet und auf das vier reizende Putti von Jorhan hinweisen. Links und rechts zwischen den Säulen stehen die lebensgroßen Schnitzfiguren der Wetterheiligen Johannes und Paulus und außerhalb der Säulen vor den Fenstern links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara; diese blickt verzückt in den Himmel und in das von dort strömende Licht, während Katharina sich fürsorglich nach unten wendet. An den Wandsäulen sind auf Konsolen die vier Schnitzfiguren der Evangelisten postiert, außerordentlich belebte Gestalten, erkennbar mit ihren Attributen als Matthäus mit dem kleinen Engelskopf, als Markus mit dem Löwen, als Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler, letzterer gerade in exzentrischer Drehung das Evangelium in die Welt tragend.

Nahe dem Chorbogen ist der Volksaltar aufgestellt, ebenso wie der Ambo links und das Taufbecken rechts ein marmorierter Holzaufbau. Das barocke Taufbecken ist besonders reich gestaltet, in Kelchform und mit einem spangenbesetzten Deckel, auf dem die kleinen Figürchen Johannes des Täufers und Christi zu sehen sind. Oberhalb am Chorbogen hängt die altehrwürdige Rosenkranzmadonna. Der linke Chorbogenaltar trägt das Bild des hl. Sebastian, im Auszug die Verehrung des Altarsakramentes durch die Engel, an den Säulen links und rechts zwei heilige Bischöfe (ohne deutliche Attribute), wunderbare Figuren von Christian Jorhan. Der rechte Chorbogenaltar enthält das schöne Gemälde von der Anbetung der Könige, im Auszugsbild eine dunkle Szene der Geburt Jesu. An den Säulen links und rechts außen Isidor und Notburga als die bäuerlichen Heiligen in ihrer einfachen Dienstbotengewandung. Der Altar des rechten Seitenschiffes ist der älteste der Altäre, mit vier gewundenen Säulen, ursprünglich sicher anthrazitfarbig in der Retabel, nunmehr aber marmorierend in das Rokokoensemble eingepasst. In einem reichen Akanthus- und Bandwerkrahmen ist das Altarbild des hl. Michael zu sehen, darunter in der Predella ein „Heiliger Leib". Der Brauch der sog. „Heiligen Leiber", meist mit kostbarer Klosterarbeit versehen, soll an das Martyrium früher Christen erinnern. Das obere Ovalbild zeigt den hl. Sebastian in seinem Martyrium.


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Besonders reich ausgestattet ist das nördliche Seitenschiff. Noch war die Notzeit des Dreißigjährigen Krieges vielen in Erinnerung, in der man seine Zuflucht zu Maria genommen hatte, so dass dieses Seitenschiff als Marienkapelle geweiht wurde und zugleich als Grabstätte der Stifterfamilie Schütz dienen sollte.

Die Ausstattung aus der Zeit um 1670 an Wänden und Decken hat ihre Ergänzung gefunden in einem Rokokoaltar mit Maria und dem Jesuskind als Himmelskönigin unter einem Thron. Die beiden großen Seitenfiguren stellen ihre beiden Eltern Joachim und Anna dar. Die reichen Stuckarbeiten aus Leistenornamentik, frei geformten Kartuschen und Symbolen mit Engeln stammen von einem unbekannten Stuckatorentrupp; da diese Stuckaturen nicht unähnlich den Arbeiten der Schlierseer Stuckatoren sind, könnten also hier nach Landshut ausgewanderte Familienmitglieder gearbeitet haben.

Das zentrale Thema ist in einer vielfigurigen Stuckreliefdarstellung der Kreuzigung Christi gewidmet. In den anliegenden Eckfeldern sind es zahlreiche Hinweise auf die Leidenswerkzeuge wie die Laterne des Judas Iskariot, die brennenden Fackeln der Kohorte, welche Christus im Ölberg gefangen nahm, die Geißelsäule und die Geißelruten, die Kette an der Säule, der krähende Hahn, die Wasserschale, in der Pilatus seine Hände in Unschuld waschen wollte, der Pickel zum Einrammen des Kreuzespfostens, Hammer und Beißzange für die Annagelung, der Stab mit dem Essigschwamm, die Lanze, mit der Jesu Seite durchstochen wurde und sonstige beachtenswerte Andachtselemente. Anschließend finden sich reiche Traubendarstellungen als Symbol für das Blut Christi in der Eucharistie, desgleichen reiche Fruchtgehänge als Zeichen für die Früchte des Erlösungswerkes Jesu. In den Zwickelflächen zwischen den Stichkappen sind zahlreiche Engel zu sehen und Motive aus der Lauretanischen Litanei. Über dem Altar selbst hält ein Putto die Krone Mariens bereit, ein anderer den Lilienzweig, danach ein Weihrauchfass mit aufsteigendem Weihrauchduft, eine Friedenstaube, ein Altar mit der Monstranz, dann die Himmelspfortensymbolik mit Sonne und Mond als Zeichen Mariens, danach der Turm Davids mit einem Putto, der einen Stern hält, Symbol des Meeressterns, gegenüber ein Ziehbrunnen für das heilkräftige Wasser als Quell des Lebens und ein Putto darüber mit einem Spiegel („Du Spiegel der Gerechtigkeit").

Nahe der westlichen Empore hält ein Putto über einer Palme wieder die Lilie als Zeichen der Reinheit und gegenüber über einer Libanonzeder ein Putto die Rosen der Liebe. Zwischen diesen Hauptthemen erscheinen unzählige Puttiköpfe mit Fruchtgehängen, Kartuschen, Blütenvasen, Füllhörnern, die als Zeichen der Fruchtbarkeit auf die Erde ausgestreut werden, Weinranken („Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben"), Palmzweigen und Lorbeer als Zeichen des himmlischen Sieges. In den Bildfeldern zwischen den Fenstern sehen wir in Darstellungen (von Osten nach Westen) den hl. Antonius von Padua, dem das Jesukind erscheint, die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel, das Schutzmantelbild Mariens mit den Stifterbildnissen von Mann und Frau Schütz, darunter drei Buben mit dem Kreuz über der Stirne, Zeichen, dass sie schon verstorben sind, fünf Mädchen, von denen zwei im Kindesalter gestorben waren, und insgesamt sechs Wickelkinder, die gleich nach der Geburt starben: Eine für uns unfassbar hohe Sterblichkeit. Im nächsten Fresko zeigt sich die Aufnahme Mariens in den Himmel.

Das letzte Bildfeld wurde für den Anbau der Emporen auf die Hälfte verkürzt, so dass nur noch eine kniende Männergestalt zu sehen ist. An der Südseite zwischen den Arkaden sind es die Bildfelder (wieder von Osten, angefangen beim Altar) die hl. Irmingard oder Walburga, die hl. Ottilia als Patronin der Augenleidenden, der hl. Florian beim Löschen eines brennenden Hauses und schließlich der hl. Leonhard als Patron der Tiere. In den Arkaden selbst sind in Stuckrahmen die Bilder des Kreuzweges Jesu zu sehen. Also ist diese Ausstattung insgesamt sehr reichhaltig, auch in ihrem theologischen Inhalt. Im südlichen Seitenschiff, wo nur ganz einfacher Profilrahmenstuck an der Scheitelhöhe angebracht wurde, stehen als Einzelfiguren der hl. Sebastian und ein überlebensgroßer Johannes von Nepomuk, beide aus der Barockzeit, sowie eine spätgotische Pietà. Der Kanzel gegenüber hängt ein barockes Missionskreuz.



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VOM SINN DES KIRCHENGEBÄUDES

Obwohl nicht aus einer Stilrichtung entstanden, sind die Architekturmerkmale und die Darstellungsgegenstände eine reiche Aussage und Darlegung der christlichen Glaubenswelt. Sie werden gleichsam vom Fanfarenengel an der Spitze der Kanzel den Menschen nahegebracht: Der Schöpfer hat die Welt am Anfang geschaffen in ihren Elementen wie dem Wasser, das im Taufstein und im Marienbrunnen erinnert wird, durch die Erde und die Gesteine auf der Erde, welche in den Marmorierungen der Altäre als Zeichen aufscheinen, mit der Luft, die in den vielen Wolkenbildungen angedeutet wird, und schließlich im Feuer, das durch die zahlreichen Strahlen, die vom Heiligen Geist, vom Osterlamm, von Maria und dem Jesuskind ausgehen, die Welt erwärmt und mit Leben erfüllt.

Die Krone der Schöpfung, der Mensch, ist aber immer in Versuchung, seinen Ausgang vom Schöpfungswillen Gottes zu verdrängen und sich selbst im Stolz der ersten Menschen Adam und Eva an die Stelle Gottes zu erheben. Gott wollte aber eine Versöhnungsmöglichkeit für die Menschen und hat daher seinen Sohn zur Erde gesandt, was man in den Darstellungen des kleinen Jesus auf den Armen Mariens mehrfach sehen kann. Aus menschlicher Ahnenreihe wird dieser kleine Jesus geboren, worauf die Eltern Anna und Joachim am Marienaltar hinweisen. Er darf aber den Schöpfergott seinen himmlischen Vater nennen und lehrt die Menschen das Grundprinzip der Liebe. Menschen haben dies aber nicht annehmen wollen und so kam es in dieser ablehnenden Haltung schließlich zur Passion und Hinrichtung dieses Jesus am Kreuz. Die vielen Kreuzesdarstellungen an den Altären sind aber bereits verwandelt in Silber und Gold, welche das Licht der Auferstehung, das mit dem Tod Jesu erreicht worden ist, widerspiegeln: Der Tod hat seinen endgültigen Stachel verloren.

Auch wenn der irdische Leib stirbt, ist der Mensch zur Aufnahme in die Ewigkeit des Dreifaltigen Gottes bestimmt, wie das Hochaltarbild von der Himmelaufnahme Mariens zeigt. Viele Menschen, die diesem Christus und seiner Lehre von der Gewaltlosigkeit nachgefolgt sind, mussten ein ähnliches Schicksal erleiden; um ihrer Gerechtigkeit willen haben die ungerechten Vertreter der Gewalt sie terrorisiert und sie sogar um ihr Leben gebracht, die vielen Märtyrer, die in den Heiligenbildnissen als Nachfolge Christi und Vorbild für alle erscheinen. Im Altarbereich geben die vier Evangelisten Zeugnisse für die Lehre Jesu, auch die Bischofsgestalten am linken Seitenaltar: Sie sind wie der Gute Hirt an der Kanzel selbst Vorbilder für dieses Leben. Als solche sind sie auch Vermittler zwischen Erde und Himmel und werden in allen Nöten der Menschen angerufen. Der gläubige Mensch ist also nicht allein, sondern er weiß sich in der Gemeinschaft der Leidenden und schließlich aber doch triumphierenden Kirche. Insofern macht die genaue Betrachtung der Darstellungen dieser Kirche über die ästhetischen Wertungen hinaus bekannt mit dem Sinn dieser Welt im Konzept des Schöpfers und Erlösers. Die historischen Mauern und die vielen Bauphasen sind ein Zeugnis für die Generationenabfolge von Menschen dieses Glaubens; daraus entsteht Zuversicht, insbesondere weil auch bei Abweichungen vom Konzept des Schöpfers und der Nicht-Verwirklichung von Zuneigung und Liebe zueinander durch Umkehrmöglichkeit, durch Reue und Buße sich der neue lichte Himmel eröffnet.



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KURZ GEFRAGT

SCHNELL GEANTWORTET

Wie alt ist die Kirche von EssenbachSie wurde kurz vor 1470 im spätgotischen Stil errichtet
Wer hat sie gebaut?Das ist unbekannt; zur Bauzeit bestand aber in Landshut eine bedeutende Bauhütte für die Kirchen der niederbayerischen Residenzstadt, aus welcher wohl der Baumeister kam
Wie oft wurde die Kirche baulich erweitert?Viermal: um 1680 nördliches Seitenschiff, 1713 südliches Seitenschiff, 1911 der rückwärtige Emporenbereich, 1988/89 Sakristeierweiterung
Warum ist der Turm nicht rechtwinklig, sondern schief an das südliche Seitenschiff angesetzt worden?Weil er wohl früher der Bergfried einer hier stehenden Wasserburg war und mit der Kirche erst beim Seitenschiffanbau 1713 verbunden wurde
Wie hoch ist der Kirchturm?24,25 Meter bis zur Glockenstube (= Beginn Achtecksaufbau); bis zur Kugel insgesamt ca. 40,50 Meter
Wie viele Glocken hängen im Turm?Vier Stück: 30 Ztr. Hl. Kreuz-Glocke, 17 Ztr. Herz Jesu Glocke, 11 Ztr. Marien-Glocke, 7 Ztr. Josephs-Glocke
Wer hat 1994 die neue Orgel der Pfarrkirche erbaut?Die Orgelbauwerkstätte Hubert Sandtner aus Dillingen an der Donau
Seit wann steht die Wolfgangskirche auf der Anhöhe?Seit dem 14. Jahrhundert, also mindestens 600 Jahre. Vielleicht stand aber an dieser Stelle, die an die Rast von Bischof Wolfgang erinnert, eine noch ältere kleine Kapelle Durch die alte Eingangstüre von St. Wolfgang sind schon viele Wallfahrer gegangen.
Wie lange besteht auf dem Wolfgangsberg eine Wallfahrt?Seit der Zeit der Spätgotik, dem 15. Jhd.
In welchem Stil ist die Kirche von Unterwattenbach gebaut?Im gotischen Stil, nur der hohe Turmaufbau ab dem Achtecksquerschnitt ist neugotisch


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ZEITTAFEL

831Erste Nennung von Essenbach („Heisenbach") in einer Übergabe-Urkunde
1263Konrad und Friedrich von Perge stiften bei ihrer Burg ein Gotteshaus
vor 1425Wandmalereien in St. Wolfgang
1470Altarhausgewölbe in Essenbach fertig gestellt
1585Datiertes Wandfresko in St. Ägidius in Unterwattenbach
um 1670nördliches Seitenschiff an Pfarrkirche angebaut
1689Barockturmaufsatz in St. Wolfgang
1713auch südliches Seitenschiff hinzugefügt
1730Hochaltarbild St. Ägidius in Unterwattenbach von Georg Franz Fischer
1755Rötelinschrift, wohl für die Erbauung der Kirche in Unterunsbach
um 1900Freilegung Wandgemälde in St. Wolfgang (1901 abgeschlossen)
1911Vergrößerung der Pfarrkirche im Westen und der Sakristei im Osten
1922Erhebung Essenbachs zur Pfarrei
1976Amtsantritt von Pfarrer Stephan Heindl
1977Innenrenovierung in St. Johann Baptist in Unterunsbach
1979Einfacher Volksaltar in St. Ägidius in Unterwattenbach
1982Kirchengestühlerneuerung Pfarrkirche
1982Erster Versuch einer Mauertrocknung in St. Wolfgang
1983Innenrenovierung in St. Ägidius in Unterwattenbach
1987-90Instandsetzung St. Martin in Oberwattenbach
1988/89Sakristeierweiterung an der Pfarrkirche
1989Neue Orgel für St. Ägidius in Unterwattenbach
1992Neue Brüstungsorgel St. Martin Oberwattenbach
1993Altarrestaurierung in St. Wolfgang
1994Neue Orgel für die Pfarrkirche
1995Bau des Caritas-Alten- u. Pflegeheim St. Wolfgang
1997Weihe der Kapelle des Heimes St. Wolfgang
1998Orgelinstandsetzung in St. Johann Baptist in Unterunsbach
2001Instandsetzung Dachstuhl und Neueindeckung in St. Wolfgang
2006Abschließende Sicherung der Wandfresken in St. Wolfgang
2006/07Restaurierung der Kanzel in St. Wolfgang


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